Schweiz - Erneuerbare Energien dürfen etwas kosten

Demnächst entscheidet das Volk über das CO₂-Gesetz. Die neuste Umfrage zeigt, dass die Energiewende sehr grosse Sympathien geniesst und die Schweizer bereit sind, dafür tiefer ins Portemonnaie zu greifen.

„Sauberer Strom sei bei der Schweizer Bevölkerung gefragt wie noch nie, vermeldet die Schweizerische Energie-Stiftung (SES). Letztere wurde 1976 gegründet und engagiert sich seither laut eigenen Angaben für eine intelligente, umwelt- und menschengerechte Energiepolitik. Die Stiftung positioniert sich klar gegen die Atomkraft. 96 Prozent würden laut der am Mittwoch publizierten Umfrage der Stiftung das Ziel befürworten, den Strombedarf künftig mit erneuerbaren Energien zu decken. Die Befragung ist repräsentativ und wurde im Auftrag der Stiftung durch das GFS Zürich Ende 2020 bei über 1000 Personen durchgeführt.

 

95 Franken mehr bezahlen

Aber sind die Schweizerinnen und Schweizer auch bereit, für eine weitere Stärkung der erneuerbaren Energie tiefer ins Portemonnaie zu greifen? Felix Nipkow, Leiter Fachbereich erneuerbare Energien bei der Energie-Stiftung, verweist darauf, dass laut der Umfrage eine klare Mehrheit der Ansicht ist, dass nachhaltige Energieversorgung auch etwas kosten darf. Heute bezahlt ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt über den Netzzuschlag 40 Franken jährlich für den Ausbau erneuerbarer Energien. 78 Prozent der Befragten können sich laut der Umfrage vorstellen, mehr zu zahlen, um den Ausbau einheimischer erneuerbarer Energie voranzubringen. «Insgesamt sind die Befragten im Durchschnitt bereit, jährlich 95 Franken mehr zu bezahlen», so Nipkow. Die grosse Mehrheit ist zudem der Ansicht, dass die Energiewende rasch umgesetzt werden soll. In 18 Jahren, also bis 2038, soll die Stromversorgung erneuerbar sein. Der Zeithorizont für die Umsetzung von «einheimisch erneuerbar» liegt bei lediglich 15 Jahren. Zudem zeigt die Umfrage, dass über 90 Prozent der Meinung sind, dass erneuerbare Energien im Inland produziert werden sollen.

CO₂-Gesetz als Lackmustest

Ob die positive Grundstimmung gegenüber der angestrebten Energiewende auch dem zweiten grossen Praxistest standhält, zeigt sich schon demnächst an der Urne. Am 13. Juni stimmt die Schweizer Bevölkerung über die Revision des CO₂-Gesetzes ab. Die erste Hürde schaffte die Energiewende im Mai 2017: Damals sagte das Schweizer Volk mit 58 Prozent Ja zur Energiestrategie 2050. Vor dem Hintergrund des langfristigen Atomausstiegs wurde damit die Grundlage für die langfristige Versorgung des Landes mit elektrischer Energie geschaffen, unter anderem mit Massnahmen zur Energieeffizienzerhöhung, zur Senkung von CO₂-Emmissionen und zur Förderung erneuerbarer Energien.

Mit dem revidierten Gesetz soll jetzt der inländische CO₂-Ausstoss bis 2030 um 37,5 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Das Gesetz stellt die Instrumente dazu bereit wie etwa die Förderung der Elektromobilität und des Einsatzes von klimafreundlichen Heizungen oder die Verteuerung des Fliegens. Und das kostet etwas: Unter dem Strich laut Berechnungen des Bundes rund 100 Franken pro Jahr für eine vierköpfige Familie. Die Gegner rechnen indes mit mindestens 1000 Franken.

Die Umfrage zeige, so Nipkow von der Energie-Stiftung, dass die Sensibilität in der Bevölkerung für eine neue Energiepolitik gross sei. Er betrachtet die Resultate als gutes Vorzeichen für den kommenden Urnengang. Anders sieht dies SVP-Nationalrat Christian Imark, Leiter des Referendumskomitees gegen das CO₂-Gesetz: «Ich bin auch für mehr erneuerbare Energien, aber beim CO₂-Gesetz geht es um eine reine Umverteilungsaktion, die viel zu teuer und völlig wirkungslos ist.“

 
 
Source: DerBund.ch Written by: Gregor Poletti Pictures by: Gregor Poletti & Derbund.ch

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